Freilichtbühne Marienberg
History zur Freilichtbühne

Seit 1862 fand die Bühnenkunst auf Brandenburgs Marienberg eine Heimstatt. Zunächst wurde eine Spielstätte oberhalb des Kurfürsten-Walls auf der nordöstlichen Seite des Berges errichtet - in etwa dort, wo sich jetzt das Gelände des Marienkrankenhauses ausbreitet. Nach etwas mehr als 60 Jahren aber, 1927, wurde diese Bühne aus bau- und brandtechnischen Gründen geschlossen. Neben dem Theater im Schweizergarten, dem jetzigen Stadttheater an der Grabenpromenade, und dem Theater in der Hauptstraße auf dem Hinterhof des Wichernhauses fungierte nun der Saal von "Ahlerts -" oder auch "Börners Berg" in der Bergstraße gegenüber dem Portal des Marienkrankenhauses als weitere Bühnenstätte, bis auch dort der Spielbetrieb eingestellt wurde.

In den Dreißigern des 20. Jahrhnderts wurde auf dem Berge selbst eine provisorische Freilichtbühne errichtet, ohne dass heute mit abschließender Genauigkeit gesagt werden kann, wo und in welcher Form das geschah. Es ist wahrscheinlich, dass die entsprechende Aktei mit dem Untergang des Neustädtischen Rathauses in den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges vernichtet wurde.

Nach dem Schrecken des Krieges, der auch die Havelstadt sehr in Mitleidenschaft zog, sehnten sich die hart um ihr Überleben kämpfenden Menschen wieder nach Kultur und Zerstreuung.

Neben der Wiedereröffnung des Stadttheaters und den vielfältigen Lichtspielangeboten wie dem Concerthaus in der Steinstraße, dem Meteor in der Hauptstraße, den Plauer Lichtspielen und sogar einem kleinen Kino in der Bahnhofstraße 51 zu Kirchmöser, wurde in den Anfangsfünfzigern der Plan gefasst, auf Brandenburgs Hausberg wieder eine Freilichtbühne zu errichten. Man wollte mit der Kunst in die Natur die besondere Atmosphäre des Spielens unter freiem Himmel schaffen. Der Berg und sein nach dem Friedhof im Norden hin steil abfallender Hang bot sich für die Anlage einer halbrunden Arena geradezu an.

Ohne staatliche Unterstützung wurde dann 1955 bis1957 die Freilichtbühne im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW), lediglich finanziert von Spenden aus der Bevölkerung und in freiwilliger Leistung aufgebaut von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) sowie engagierten Brandenburgern nach den Plänen von Stadtarchitekt Paul Schulze. Sie wurde am 19. Mai 1956 eingeweiht.

Die Bespielung des von den Brandenburgern ausgezeichnet angenommenen jüngsten Theaters der Chur- und Hauptstadt erstreckte sich über die warme Jahreszeit und umfasste weitaus mehr als das klassische Theaterrepertoire. So weist der Brandenburger Kulturspiegel für den Mai 1962 unter der Leitung von Falko Jäger ein vielfältiges Programm auf, angefangen von Box- und Turn-Turnieren, über Revuen, Galas, Operetten-Konzerte, den Film "Der Traum des Hauptmanns Loy" und Schlagerparaden mit internationalen Künstlern, unter denen sogar eine Schwedin aus dem sogenannten "Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet", NSW, auftrat. Daneben fanden auf einer 17m breiten Leinwand auch immer wieder Kinovorstellungen und Filmvorführungen statt.

Nach der politischen Wende in der DDR und der anschließenden Wiedervereinigung mit Westdeutschland existierte kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept mehr für den Weiterbetrieb der jahrelang staatlich subventionierten und unterhaltenen Arena. Die Bühne begann in einer Zeit rasant zunehmender Automobilität daran zu kranken, dass keine Parkplätze in vertretbarer Nähe vorhanden waren und die Brandenburger mit Ausnahme einiger weniger Hundebesitzer und Spaziergänger kaum noch den Weg auf den Marienberg fanden. Kulturelle Attraktionen wie das kleine Heimattiergehege auf der Südseite des Plateaus waren schon Ausgangs der Sechziger verschwunden. Aber auch Brandenburgs höchstgelegenes Ausflugslokal neben der Friedenswarte rang lange Zeit um sein Bestehen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wasserhochbehälters versank die Freilichtbühne in einen Dornröschenschlaf.

In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends aber beschloss man, dieses weit und breit einzigartige kleine Halb-Amphitheater zu retten, das für die Domstadt in etwa dieselbe Bedeutung haben könnte, wie die Charlottenburger Waldbühne für Berlin. Die Brandenburger Stadtwerke engagieren sich seit 2009 im Rahmen einer Patenschaft fünfzig Jahre nach der DDR-Staatsjugend, aber ebenso wie diese auf freiwilliger und lokalpatriotischer Basis. Sie begannen das 2.900 m² große und auf auf 650 Zuschauer ausgerichtete Gelände wieder in einen bespielbaren Zustand zu versetzten, befreiten es von Schmierereien, richteten Sitzreihen und Bepflanzungen her, erneuerten teilweise die Flutbeleuchtungsanlage. Auch Malermeister Sonderhoff griff kostenlos zu Pinsel und Farbeimer und strich die Frontfassade des Bühengebäudes.

Im Zuge der Wiederentdeckung des Marienberges als Kulturstätte von nicht nur im topografischen Sinne überragenden Potential und der Ausrichtung der Bundesgartenschau im Jahre 2015, die auch den Marienberg, seinen Leue-Park und die anderen Flächen einbezieht, verheißt die renovierte Freilichtbühne neue und starke Impulse. Zumal der Berg mit der Stadterweiterung Brandenburgs in der Zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nunmehr eine zentrale, gleichsam innerstädtische Funktion bekam und darüber hinaus sehr verkehrsgünstig gelegen ist. Auch die Freilichtbühne auf dem Marienberg, die höchstegelegene der Mark, verdient somit mehr als eine zweite Chance. Noch ist sie ein schlummerndes Juwel Brandenburger Kulturschaffens, das es aller Mühen wert ist, wieder zum Leben erweckt zu werden.

Text: © Presse Agentur Brandenburg

 

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